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Take Back the Internet – Holen wir uns das Internet zurück

Vernetzung (Foto: Stephan Hofschlaeger - pixelio.de)

Bruce Schneier (credit: Geoffrey Stone)

Bruce Schneier hat auf theguardian online einen Artikel geschrieben, der beeindruckend klar macht, wie schlecht es um unser Internet bestellt ist und ruft die Techniker auf, sich das Terrain wieder zurück zu holen. Ich habe mal eine Übersetzung versucht:

Holen wir uns das Internet zurück

Regierung und Industrie haben das Internet betrogen und damit auch uns.

Durch ein Untergraben des Internets auf allen Ebenen ist es eine große, vielschichtige und robuste Überwachungsplattform geworden. Damit hat die NSA einen grundlegenden sozialen Vertrag gebrochen. Die Unternehmen, die unsere Internet-Infrastruktur bauen und verwalten, die Unternehmen, die uns unsere Hard-und Software erstellen und verkaufen, oder die Unternehmen, die unsere Daten hosten: Wir können ihnen nicht mehr trauen, unsere ethischen Internet Stewards zu sein.

Dies ist nicht das Internet, das die Welt braucht, oder das sich seine Schöpfer vorgestellt haben. Wir müssen es uns zurückholen.

Und mit wir meine ich die Engineering Community.

Ja, das ist in erster Linie ein politisches Problem, eine politische Angelegenheit, die politische Intervention erfordert.

Aber das ist auch ein technisches Problem, und es gibt mehrere Dinge, die Ingenieure können – und tun sollten.

Erstens – wir müssen aufdecken. Eines sollten wir klarstellen. Wenn du nicht über eine Sicherheitsüberprüfung verfügst, und wenn du keinen National Security Brief erhalten hast, bist du nicht an vertraulich Anforderungen des Bundesgesetzes oder eine Gag Order gebunden. Wenn du von der NSA kontaktiert wurdest, um ein Produkt oder eine Protokoll zu untergraben, kommen und erzähle von dieser Geschichte. Dein Arbeitgeber deckt keine illegalen oder unethischen Aktivität. Wenn du mit klassifizierten Daten vertraulich arbeitest, sei mutig und decke auf, was du weißt. Wir brauchen Whistleblower.

Wir müssen wissen, wie genaudie NSA und andere Agenturen Router, Switches, Internet-Backbones, Verschlüsselungs-Technologien und Cloud-Systeme untergraben . Ich habe bereits fünf Geschichten von Menschen wie dich, und ich habe gerade erst angefangen zu sammeln. Ich möchte 50. Es gibt Sicherheit in den Zahlen, und diese Form des zivilen Ungehorsams ist moralisch zu tun.

Zweitens – wir können designen. Wir müssen herausfinden, wie wir das Internet re-engineeren, um diese Art von Groß-Spionage zu verhindern. Wir brauchen neue Techniken, um das Ausspionieren privater Informationen zu verhindern.

Wir können die Überwachung wieder teurer machen. Insbesondere brauchen wir offene Protokolle, offenen Implementierungen, offene Systeme – die für die NSA schwieriger sind zu unterlaufen.

Die Internet Engineering Task Force, die Gruppe, die die Standards für das Internet definiert, hat ein Treffen für Anfang November in Vancouver geplant. Diese Gruppe sollte sich in seiner nächste Sitzung dieser Aufgabe widmen. Dies ist ein Notfall und erfordert eine Notfallplan.

Drittens – wir können unsere Regierung beeinflussen. Ich nicht aufgehört das bis jetzt zu sagen, und ich bin traurig, aber die USA hat sich als unethisch Verwalter des Internet dargestellt. Und das Vereinigte Königreich ist nicht besser. Die NSA-Aktionen legitimieren die Internet Menschenrechtsverletzungen durch China, Russland, Iran und andere. Wir müssen neue Wege der Internet Governance finden, die es technischleistungsstarken Ländern schwieriger macht, alles zu überwachen. Zum Beispiel müssen wir die Transparenz, Kontrolle und Verantwortlichkeit von Regierungen und Unternehmen verlangen.

Leider spielt das direkt in die Hände totalitärer Regierungen, die für ihr Land das Internet noch extremeren Formen der Überwachung unterwerfen möchte. Wir müssen im Gegenzug herausfinden, wie das zu verhindernist. Wir müssen die Fehler der International Telecommunications Union, die das schlechte Regierungsverhalten legitimierte, korrigieren, und eine wirkliche internationale Governance implementieren, die nicht von einem Land beherrscht oder missbraucht werden kann.

Wenn die neune Generationen auf diese ersten Jahrzehnte des Internets zurückschauen, werden sie hoffentlich nicht enttäuscht von uns sein. Wir können das nur sicherstellen, wenn jeder von uns dieses zu seiner Priorität macht und greift in die Debatte eingreift. Wir haben die moralische Pflicht, dies zu tun, und wir haben keine Zeit zu verlieren.

Die Demontage des Überwachungsstaats wird nicht einfach sein. Hat je ein Land, das in ihre eigenen Bürger massiv überwacht, freiwillig diese Fähigkeit aufgegeben? Hat irgendein Massenüberwachungsland vermieden, noch totalitärer zu werden? Was auch immer geschieht, werden wir Neuland betreten.

Noch einaml, die politische Aufgabe ist größere als die technische, aber die Technik ist entscheidend. Wir müssen verlangen, dass die relevanten Technologen in jeder Entscheidungsfindung der Regierung in Betracht gezogen werden. Wir haben genug von Anwälten und Politikern, die von Technologie nichts verstehen, d.h. wir brauchen Technologen an den Tischen, wenn wir Tech-Poliocies spezifizieren.

Zu den Technikern sage ich dies: Wir haben das Internet gebaut, und einige von uns haben dazu beigetragen, es zu untergraben. Jene von uns, die die Freiheit lieben, habe das wieder zu beheben.

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Dieser deutsche Text steht unter einer Common Criteria Lizenz und darf unter Nennung der Quelle kopiert werden.

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This essay originally appeared in the “Guardian.”
http://www.theguardian.com/commentisfree/2013/sep/…

The need for whistleblowers:
https://www.schneier.com/essay-429.html

The need for transparency, oversight, and accountability:
https://www.schneier.com/essay-435.html

Snowden’s statement on the morality of his actions:
http://wikileaks.org/…

This is presented as disagreeing with what I’ve written, but I agree with it.
http://continuations.com/post/60444129080/…

A rebuttal to this essay:
http://americanscience.blogspot.com/2013/09/…

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Bruce Schneier is security technologist and author of 12 books, including Liars and Outliers: Enabling the Trust Society Needs to Thrive. He is a fellow at the Berkman Center for Internet and Society at Harvard Law School and a program fellow at the New America Foundation’s Open Technology Institute

Über Dr. Martin Bartonitz

Mitinitiator der Initiative Wirtschaftsdemokratie. Geboren 1958 und aufgewachsen in Dortmund, am Rande des Kohlenpotts, einem Schmelztigel während der Gründerzeit eingewanderter Menschen. 1992 nach der Promotion in experimenteller Physik gewechselt von der Messprozess- in die Geschäftsprozesssteuerung. Mit Blick auf die Erfahrungen in der Optimierung der Effizienz von Prozessen in der Bürowelt kam in den letzten Jahren immer mehr die Erkenntnis: Das Business machen die Menschen. Und wenn nur nach der Effizienz geschaut wird, dann wird auch noch die letzte Motivation in den Unternehmen zerstört. Daher sollten Organisation und auch die eingesetzte Software die Menschen in ihrer Kreativitität unterstützen und sie nicht knechten. Selbstbestimmheit statt Fremdbestimmung sollte uns den nächsten Schub in unserer gesellschaftlichen Entwicklung bringen. Aufgrund dieser Überzeugung schreibe ich hier mit. Kontakt: Webseite | Facebook | Twitter | Google+ | Weitere Artikel

2 Kommentare zu Take Back the Internet – Holen wir uns das Internet zurück

  1. Dr. Martin Bartonitz // Oktober 20, 2013 um 7:12 pm // Antworten

    Hier noch ein beeindruckender Vortrag, wie wichtig das Internet für uns ist, in eine für uns nützlichere Economie zu kommen:

  2. ”Dies ist nicht das Internet, das die Welt braucht, oder das sich seine Schöpfer vorgestellt haben. Wir müssen es uns zurückholen.”

    Das Internet lässt sich nicht zurückholen, so wie sich die Entwicklung einer Krankheit nicht zurückdrehen lässt. Das Internet ist eine Zurschaustellung von Symptomen, die allesamt eine Krankheit beschreiben, die uns Menschen hoffen lässt, das Internet sei die Lösung dieser Krankheit.

    Der Mensch, und nur der Mensch meint, er braucht das Internet … oder vielmehr die Vereinfachungen, die das Internet zur Verfügung stellt. Es ist aber nicht die Vereinfachung von Problemlösungen, sondern vielmehr die Vereinfachung das eigentliche Problem aus den Augen zu verlieren.

    Gruß Guido Vobig

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