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Paola Kobler – Autorenvorstellung

Paola Kobler

Paola Kobler, Situationsanalytikerin

Motto: “Plus ça change, plus c´est la même chose.” Je mehr es sich ändert, um so mehr bleibt alles beim alten. Franz. Sprichwort.

Ist das so? Ja und nein. Ja, weil der Kern von uns nicht veränderbar ist. Nein, weil wir die Macht der Einflussnahme haben. Doch wo ansetzen, wie Einfluß nehmen und wie den Kern erkennen als einzige und nicht veränderbare Konstante?

Das sind meine Kernfragen.

Mein Leben ist geprägt von Wanderschaft, Anpassung und Selbstbehauptung durch viele Welten und Beziehungen. In Italien geboren, im ehemaligen Jugoslawien laufen, reden und denken gelernt, kam ich als Kleinkind nach Deutschland. Meine Familie setzt sich aus Völkern des Balkans und der Deutschen zusammen. Ich behaupte, dass das illyrische in meinen Genen durch meinen montenegrinischen Großvater erhalten blieb. Ich behaupte auch, dass auch die Antike Welt ihre Spuren in mir hinterliess und so manch Byzantinisches durchbricht, wenn auch nur in Ansätzen.

Was so weit ausholend und verwunderlich als Selbstbeschreibung klingen mag, ist nur mein Versuch, die vielen Einflüsse, die auf mein Leben und damit auf mich wirkten und wirken, zu verstehen und zu veranschaulichen. Und ich behaupte, dass wir alle entsprechend vielen, wenn auch anderen Einflussmuster ausgesetzt sind.

Diese Wanderung durch die Gene, Landschaften und Völker hat in mir sehr früh, damit meine ich vom Kleinkindalter, die Frage nach der richtigen Anpassung aufgeworfen. Ganz gleich, wo ich wann war und in welche Situationen ich mich wiederfand, ich musste mich immer mit fremden Sprachen, Regeln und Traditionen auseinander setzen. Oft genug unterschieden sich die Verhaltensregeln konträr zueinander. Um nicht sonderlich zu wirken und ausgesondert zu werden, war Anpassung für mich überlebenswichtig.

Wer bin ich? Was will ich? Wer und Was ist der Mensch und wie funktioniert er? Was bestimmt das “Wir” und wer bist “Du”?

Diese Fragen waren und sind somit immer meine Kernfragen.

Um das genauer zu wissen, studierte ich Situationsanalyse auf Basis der Handlungstheorie im Rahmen der Sozialpädagogik in Hamburg. Über diese Disziplin konnte und kann ich den Menschen, die Gesellschaft, die Nation, ja, tatsächlich sogar alles Leben nicht nur besser verstehen, sondern dem zugrundliegenden Muster des Lebens dicht, sogar sehr dicht auf die Spur kommen.

Noch während des Studiums wurde ich nach Berlin berufen, um dort als Projektmanagerin für ein sehr großes Unternehmen zu arbeiten. Wieder ein großer Wandel und wieder die Frage der Anpassung, bei gleichzeitiger Pflichterfüllung meiner verantwortungsvollen Aufgaben. Ich hatte keinen Schimmer von Projektmanagement, hatte große Angst vor diesem großen Unternehmen und ebenfalls vor Berlin und die zweifelnde Frage tauchte auf: schaffe ich das alles? Ich schaffte es. Das Prinzip war einfach. Ich übertrug die Situationsanalyse auf das Unternehmen und wendete es an. Ich erkannte dabei schnell, dass alle Situationen sich nicht nur in den Beziehungen und Taten zeigten, sondern auch in der Wirtschaftlichkeit, in Zahlen, in Verträgen, in der Kommunikation und Interaktion. Alles unterlag und unterliegt den gleichen Gesetzen, die nur durch Beziehungen entstehen und bestehen. Denn all dies schafft der Mensch selbst. Ob in Zahlen dargestellt oder beim Eintopfkochen, ob bei der Börse oder an der Nähmaschine, ob in der Produktion oder Armee, ob in einer Ehe oder im Großraumbüro, ob im Zoo oder sonst wo.

So war es egal, wo ich war und was für Aufgaben oder Herausforderungen sich mir stellten, mit welchen Menschen ich direkt und indirekt zu tun hatte, alle Herausforderungen waren lösbar. So geschah es, dass ich als Sozialpädagogin sehr schnell Führungsaufgaben mit Personalverantwortung von i. d. R. mehr als 100 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen bekam und auch in dieser Position war die Situationsanalyse der wichtigste und entscheidendste Grundstock meiner Arbeit. Alles baute ich darauf auf.  Das alleine macht es aber nicht aus. Mein Lebensweg durch die Welten und Kulturen, meine Aufmerksamkeit des Wandels und der Natur, auch das Erkennen der Gründe meines Scheiterns war der Grundstock meines Erfolges, die Situationsanalyse eine passende und professionelle Erweiterung und Ergänzung.

Und trotz mancher zerreibenden Niederlage kam ich meinem Kern, dem Kern des Menschen, der Natur und aller Systeme nicht nur sehr nahe, sondern konnte auch konstruktiven Einfluss nehmen, ohne dabei den Kern zu verfälschen. Ich konnte und kann den Kern erhellen auch für Andere und vor allem mit Anderen gemeinsam, mit allen Beteiligten und das vorhanden System entsprechend gemeinsam beeinflussen. Dass dieses System nicht nur funktioniert, sondern auch die erwünschten Ergebnisse abwirft, sowohl wirtschaftlich als auch menschlich.

Dieses Erhellen geschieht auf der Ebene, wo das Innenleben eines Individuum oder Unternehmens auf das Außenleben stößt. Es zeigt sich in Form von Worten (auch Zahlen) und Taten. Diese zwei Elemente (Wort und Tat) in Relation zu den beiden Welten (Innen-Außen) gilt es zu verstehen, zu entschlüsseln und nutzbar zu machen und in eine gesunde Form zu bringen. Es ist nur ein Erhellen, ein Erhellen der eigenen Lebens- oder Unternehmensbühne, das Auslösen eines Lichtfunkens, der zu einem kraftvollen Selbstläufer wird. Nichts anderes mache ich.

Der Kern ist für mich EROS, diese allumfassende Kraft, die in uns allen herrscht und gleichzeitig so unfassbar, weil ortlos ist. Dieser Kern kann nicht verändert werden. Doch die Umschreibung, die Erfahrung mit EROS, die folgende Erkenntnis und deren Handlungen und Kommunikation, ist jene Ebene, die Einfluß- und Veränderungsmöglichkeit gibt. Ich nenne diese Kraft EROS, weil die archaische, mythologische und philosophische Vorstellung von Eros unserer Natur am nähesten kommt und durchaus mit der Naturwissenschaft und manch psychologischer Vorstellung korreliert. Mit EROS zu leben und zu arbeiten heißt auch kritisch unserer Gegenwart gegenüber zu sein. Von daher bin ich Dir, lieber Martin, sehr dankbar, mich in dieses Forum eingeladen zu haben. Hier scheint eine gute Plattform zu existieren, gemeinsam kritisch und konstruktiv am gegenwärtigem Wandel der Welten aktiv teilzuhaben.

“Plus ça change, plus c´est la même chose.” Je mehr es sich ändert, um so mehr bleibt alles beim alten.

In diesem Sinne herzliche Grüsse.

 

2 Kommentare zu Paola Kobler – Autorenvorstellung

  1. Thomas D. Landsberg Thomas D. Landsberg // März 29, 2013 um 5:34 pm // Antworten

    Liebe Paola,

    toller Text!

    Danke, dass ich auf diese Art teilhaben kann an intensiven, persönlichen Erfahrungen und daraus erwachsenen Erkenntnissen. Für mich ein Geschenk.

    Herzlichst
    Thomas

    Was wir wollen

    Hinter jedem Konflikt wartet ein Friede darauf, geboren zu werden.
    Hinter jedem Gesetz wartet die Wahrheit darauf, geboren zu werden.
    Hinter jedem Mangel wartet Fülle darauf, geboren zu werden.
    Hinter jeder Einsamkeit wartet die Liebe darauf, geboren zu werden.
    Hinter jeder Schuld wartet Unschuld darauf, geboren zu werden.
    Hinter jeder Langeweile wartet Kreativität darauf, geboren zu werden.
    Hinter jeder Härte wartet Zärtlichkeit darauf, geboren zu werden.
    Hinter jedem Schmerz wartet Trost darauf, geboren zu werden.
    Hinter jeder Trauer wartet Freude darauf, geboren zu werden.
    Hinter jedem Missverständnis wartet eine Gabe darauf, geboren zu werden.
    Hinter jedem Hass wartet Vergebung darauf, geboren zu werden.
    Hinter jeder Beleidigung wartet ein Segen darauf, geboren zu werden.
    Hinter jedem Dunkel wartet das Licht des Himmels darauf, geboren
    zu werden –
    Wenn wir es wollen.

  2. Danke Thomas,

    ich will.

    Herzliche Grüsse.
    Paola

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